Gehen wirkt wie die selbstverständlichste Bewegung der Welt.
Doch nur wenige Menschen wissen, dass Ihre Gehgeschwindigkeit, Haltung und Regelmäßigkeit viel über Ihren Gesundheitszustand verraten können – und sogar Hinweise auf Ihre Lebenserwartung liefern.
Aktuelle Studien zeigen, dass zwei weit verbreitete Gehgewohnheiten mit einer verkürzten Lebensdauer in Verbindung stehen können.
Im Folgenden erklären wir die wissenschaftlichen Erkenntnisse und stellen fünf evidenzbasierte Gehtipps für ein langes und gesundes Leben vor.
Zwei Gehgewohnheiten, die Ihre Lebenserwartung verkürzen können
1. Zu langsames Gehen
Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass manche Menschen zügig und aufrecht gehen, während andere bereits nach wenigen hundert Metern zurückfallen?
Ihre Gehgeschwindigkeit ist weit mehr als nur eine Gewohnheit – sie gilt als starker Indikator für die allgemeine Gesundheit.
Eine im Jahr 2019 in den Mayo Clinic Proceedings veröffentlichte Studie analysierte die Daten von 475.000 Personen und kam zu einem klaren Ergebnis:
👉 Schnelle Geher lebten im Durchschnitt 15–20 Jahre länger als langsame Geher.
Bei Frauen:
-
Schnelle Geherinnen: 86,7–87,8 Jahre
-
Langsame Geherinnen: 72,4 Jahre
Bei Männern:
-
Schnelle Geher: 85,2–86,8 Jahre
-
Langsame Geher: 64,8 Jahre
Noch bemerkenswerter:
Eine Studie aus dem Jahr 2022, veröffentlicht in Communications Biology, stellte einen Zusammenhang zwischen Gehgeschwindigkeit und Telomerlänge her – einem wichtigen Marker der zellulären Alterung.
📊 Schnelle Geher hatten signifikant längere Telomere, was darauf hindeutet, dass ihr Körper biologisch etwa 16 Jahre jünger war als der von langsamen Gehern.
➡️ Fazit: Zügiges Gehen hält den Körper bis auf Zellebene jünger.
2. Zu wenig Gehen im Alltag
Viele Menschen vermeiden Gehen, wo immer es möglich ist – selbst kurze Strecken werden mit dem Auto oder E-Scooter zurückgelegt.
Diese Bewegungsarmut kann langfristig gravierende Folgen für die Gesundheit haben.
Eine 2023 im European Journal of Preventive Cardiology veröffentlichte Studie beobachtete über 220.000 Erwachsene über sieben Jahre hinweg und untersuchte den Zusammenhang zwischen täglichen Schritten und Sterblichkeitsrisiko.
Die Ergebnisse waren eindeutig:
-
Bereits 3.967 Schritte pro Tag senkten das Sterberisiko messbar
-
5.537 Schritte → 48 % geringeres Risiko
-
7.370 Schritte → 55 % geringeres Risiko
-
11.529 Schritte → 67 % geringeres Risiko
Regelmäßiges Gehen wirkt sich positiv aus auf:
-
Durchblutung und Herz-Kreislauf-Gesundheit
-
Lungenfunktion, Schlafqualität und Stimmung
-
Reduziertes Risiko für Herzkrankheiten, Krebs und Diabetes
-
Bessere Balance, Koordination und Muskelkraft
👉 Schon 500–1.000 zusätzliche Schritte pro Tag können das Sterberisiko um 7–15 % senken.
💡 Fünf wissenschaftlich belegte Gehtipps für ein langes Leben
1️⃣ Die optimale Gehgeschwindigkeit
Passen Sie Ihr Tempo an Ihre körperliche Verfassung an:
-
Langsames Gehen: 70–90 Schritte/Minute
-
Moderates Gehen: 90–120 Schritte/Minute
-
Zügiges Gehen: 120–140 Schritte/Minute
Wann immer möglich, sollten Sie zügig gehen, da dies Herz und Lunge stärkt und das Risiko chronischer Erkrankungen senkt.
2️⃣ Die ideale Anzahl an täglichen Schritten
Eine Analyse aus The Lancet Public Health (2022), basierend auf Daten von 47.000 Personen aus vier Kontinenten, ergab folgende Richtwerte:
-
18–60 Jahre: 8.000–10.000 Schritte pro Tag
-
Über 60 Jahre: 6.000–8.000 Schritte pro Tag
Für maximale Effekte empfiehlt sich zusätzlich eine zusammenhängende Phase von mindestens 3.000 zügigen Schritten täglich.
3️⃣ Der beste Zeitpunkt zum Gehen
Gehen ist jederzeit möglich – doch wenn Sie wählen können, liefert die Wissenschaft eine klare Empfehlung.
Eine 2024 in der Fachzeitschrift Obesity veröffentlichte Studie zeigte, dass körperliche Aktivität nach 18 Uhr:
-
den Blutzuckerspiegel senkt
-
das Risiko für Herz- und Stoffwechselerkrankungen reduziert
-
die Gesamtsterblichkeit verringert
➡️ Ein abendlicher Spaziergang kann also besonders wertvoll sein.
4️⃣ Die optimale Herzfrequenz beim Gehen
Um sicher und effektiv zu trainieren, hilft eine grobe Orientierung:
-
Zielpuls: (220 − Alter) × 60–70 %
-
Faustregel: 170 − Alter
Treten Symptome wie Brustenge, Schwindel oder Schmerzen auf, sollten Sie das Training sofort abbrechen und gegebenenfalls medizinische Hilfe suchen.
5️⃣ Die richtige Gehhaltung
Eine korrekte Körperhaltung beugt Verletzungen vor und steigert den Trainingseffekt:
-
Kopf aufrecht, Blick nach vorne
-
Schultern locker, Arme natürlich mitschwingen
-
Rücken gerade, Bauchmuskulatur leicht aktiv
-
Abrollen des Fußes von der Ferse bis zu den Zehen
🌿 Schlussgedanken
Alter, Fitnesslevel und Gesundheitszustand sind individuell verschieden.
Hören Sie auf Ihren Körper und steigern Sie Tempo und Distanz schrittweise.
Die wichtigste Erkenntnis bleibt jedoch klar:
👉 Tägliches, zügiges Gehen ist eine der einfachsten und wirkungsvollsten Methoden, um länger und gesünder zu leben.
Also: Schuhe anziehen, nach draußen gehen – und Schritt für Schritt in ein längeres Leben starten.